Der Immunstatus während der Schwangerschaft einer Lehrerin

Hauke Simonsen   | Ratgeber Lehrer | Letztes Update: 13. Januar 2021

Während der Schwangerschaft ist es immens wichtig, Infektionskrankheiten zu vermeiden, um sich und das Kind keinem Risiko auszusetzen. Daher gibt es auch neben den allgemeinen Beschäftigungsverboten (6 Wochen vor Entbindung und 8 Wochen nach Entbindung) ein Beschäftigungsverbot für dich als schwangere Lehrerin, wenn ein ärztliches Zeugnis aussagt, dass das Leben oder oder Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet sind. Der Immunstatus kann ein solches Beschäftigungsverbot außer Kraft setzen, weil er bedeutet, dass du immun gegen bestimmte Infektionskrankheiten bist und diese weder für dich noch für das Kind eine Gefahr bedeuten. Im Folgenden wird dieser Immunstatus näher erläutert und auch Bezug genommen auf die Maßnahmen, die getroffen werden müssen, wenn kein Immunstatus besteht.

Was genau ist der Immunstatus?

Das Immunsystem des Menschen ist wichtig, um verschiedenste Krankheiten und Infektionen abzuwehren. Je schwächer das Immunsystem und somit die Abwehrkraft des Menschen ist, desto anfälliger ist man für die entsprechenden Krankheiten. Der Immunstatus trifft eine Aussage darüber, wie hoch die Abwehrkraft gegen verschiedene Risiken ist und ist somit ein wichtiges Merkmal, um zu bestimmen, welcher Gefahr ein Mensch ausgesetzt ist, wenn in seinem Umkreis Infektionsrisiken bestehen. Durch eine Blutprobe werden verschiedene Informationen gesammelt, zu denen unter anderem auch der wichtige Anteil der weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) gehört. Je nach Art der Untersuchung ist es wichtig, diese möglichst früh durchzuführen, um zum einen Bescheid zu wissen, zum anderen aber auch durch die Untersuchung an sich keine weiteren Risiken aufkommen zu lassen. Wichtig ist es auch, gerade bei länger andauernden Tätigeiten und häufiger auftretenden Infektionen prüfen zu lassen, ob sich am Immunstatus eventuell etwas geändert hat, um sich nicht unbewusst den Infektionsrisiken auszusetzen.

Wer legt den Immunstatus fest?

Die entsprechenden Tests zur Bestimmung des Immunstatus werden selbstverständlich von entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Ärzten durchgeführt. Als schwangere Lehrerin musst du dafür den B.A.D. aufsuchen. Dabei handelt es sich um den Berufsgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Dienst, der für solche Untersuchungen und einen entsprechend gewährleisteten Arbeitsschutz zuständig ist. Die Untersuchungen sollten möglichst sofort in Gang gesetzt werden, sobald du von der Schwangerschaft erfährst. denn nur so ist garantiert, dass von Beginn an alles dafür getan werden kann, was dem Wohl von dir und deinem Kind dient.

Der B.A.D. stellt zudem Musterformulare zur Verfügung, anhand derer der Schulleiter eine so genannte Gefährdungsbeurteilung erstellen muss. Diese gibt Auskunft darüber, welchen Risiken du ausgesetzt bist, was insbesondere damit zu tun hat, mit welchen Schülern du in engem Kontakt stehst. Immunstatus und Gefährdungsbeurteilung entscheiden dann im Zusammenspiel darüber, ob ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden muss, wenn Infektionsrisiken bestehen.

Welche Infektionskrankheiten sind betroffen?

Wenn es um Infektionsrisiken an der Schule geht, betrifft das insbesondere die im Folgenden aufgeführten Krankheiten:

  • Keuchhusten
  • Masern
  • Mumps
  • Ringelröteln
  • Röteln
  • Scharlach
  • Windpocken
  • Zytomegalie

Welche Schutzmaßnahmen müssen geprüft werden?

Kommt es zu bestimmten Krankheiten an der Schule und liegt keine Immunität vor, sind verschiedene Schutzmaßnahmen zu treffen, um das Wohl der werdenden Mutter und dem noch ungeborenen Kind zu schützen und mögliche Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Hier müssen entsprechende Maßnahmen in folgender Reihe geprüft und umgesetzt werden:

  • Je nach Krankheit Umgestaltung der Arbeit, um Infektionsherde fernzuhalten, wie zum Beispiel Beschränkung auf die Betreuung von älteren Schülern.
  • Arbeitsplatzwechsel, wie zum Beispiel Beschäftigung an einer anderen Schule oder in einem anderem Schulbereich.
  • Helfen diese Maßnahmen nicht, kommt es zu Beschäftigungsverbote für die gesamte Schwangerschaft oder einen befristeten Zeitraum.

Wie sehen die Schutzmaßnahmen aus?

Die Schutzmaßnahmen sind immer abhängig von der jeweiligen Krankheit, dem dahinter verborgenem Risiko und teilweise auch von dem Alter der zu betreuenden Kinder oder von dem Zeitpunkt in der Schwangerschaft. Die einzelnen Maßnahmen für die verschiedenen Krankheiten werden im Folgenden beschrieben, wobei zu beachten ist dass angegebene Fristen im Falle von Epidemien auch länger ausfallen können.

  • Keuchhusten


    Bei Keuchhusten kommt es erst zu einem befristeten Beschäftigungsverbot, wenn die Krankheit an der entsprechenden Schule auftritt. Dieses Beschäftigungsverbot ist insoweit befristet, dass es nur bis zum 20. Tag nach dem letzten an der Schule auftretenden Erkrankungsfall aufrecht erhalten werden muss.
  • Masern


    Bis zum 21. Tag nach dem letzten Fall der Erkrankung gilt das befristete Beschäftigungsverbot, wenn Masern an der Schule auftreten. Das ist allerdings auch nur der Fall, wenn du Kinder ab dem 6. Geburtstag unterrichtest bzw. betreust.
  • Mumps


    Bei Mumps kommt es auch nur zu einem Beschäftigungsverbot, wenn Kinder ab dem 6. Geburtstag unterrichtet bzw. betreut werden und wenn die Krankheit an der jeweiligen Schule auftritt. Auch dieses Verbot ist befristet und zwar bis zum 25. Tag nach der letzten Erkrankung.
  • Röteln


    Bei Röteln wird unterschiedenen nach dem Zeitpunkt während der Schwangerschaft. So gilt bis zur 20. Schwangerschaftswoche ein absolutes Beschäftigungsverbot, wenn du Schüler betreust, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Ab der 21. Schwangerschaftswoche greift ein befristetes Verbot, welches nur gilt, wenn die Erkrankung an der Schule auftritt, und das bis zum 21. Tag nach dem letztem Erkrankungsfall.
  • Ringelröteln


    Die Unterscheidung wird auch bei Ringelröteln gemacht. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche und bei einer Betreuung von Kindern in einem Alter bis 10 Jahre ist die Beschäftigung verboten. Befristete Beschäftigungsverbote gelten zum einen, wenn Kinder über 10 Jahre unterrichtet werden und die Erkrankung an der Schule auftritt. Zum anderen gibt es ein befristetes Verbot ab der 1. Schwangerschaftswoche. Die Befristung gilt dabei immer bis zum 21. Tag nach letztem Fall der Erkrankung an der Schule.
  • Scharlach


    Wenn Scharlach als Erkrankung an der Schule auftritt, wird ein Beschäftigungsverbot erteilt, welches bis zum 3. Tag nach dem letztem Erkrankungsfall befristet ist.
  • Windpocken


    Kommt es zu Fällen von Windpocken an der Schule wird zwischen zwei Fällen unterschieden. Wenn du Kinder im Alter von bis zu 10 Jahren unterrichtest oder betreust, gilt das Beschäftigungsverbot für die gesamte Schwangerschaft. Sind die zu betreuenden Kinder älter als 10 Jahre, kommt es zu einem befristeten Beschäftigungsverbot.
  • Zytomegalie


    Zudem kommt es im Falle von Zytomegalie zu einem für die gesamte Schwangerschaft geltenden Beschäftigungsverbot, aber nur wenn ein enger körperlicher Kontakt mit behinderten Kindern nicht auszuschließen ist.

Wann besteht ein Beschäftigungsverbot?

In Sachen Beschäftigungsverbot muss immer bestimmt werden, wie hoch die jeweiligen Infektionsrisiken sind.

  • Bestehen keine Infektionsrisiken, muss auch nicht weiter über das Beschäftigungsverbot nachgedacht werden, abgesehen von anderen Risiken wie körperliche Belastung oder stoffliche Risiken.
  • Gibt es leichte Infektionsrisiken, muss die Gefährdung genau überprüft werden. Wenn eine Umorganisation des Arbeitsumfelds nicht hilft, muss ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen oder ein Arbeitsplatzwechsel vorgenommen werden.
  • Bei großen Infektionsrisiken muss sofort ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen oder ein Arbeitsplatzwechsel in Angriff genommen werden.

In diesem Artikel findest du weitere Informationen zum Beschäftigungsverbot für eine Lehrerin während der Schwangerschaft.

Fazit

Oft werden Beschäftigungsverbote als etwas Negatives angesehen. Sie schützen dich aber nur vor gesundheitlichen Risiken und gleichzeitig natürlich auch das werdende Kind. Daher ist es sehr wichtig, immer genau zu prüfen, ob die Arbeit Risiken birgt, die dann umgehend vermieden werden sollten. Wichtig sind vor allem folgende Punkte:

  • Der vom B.A.D. festgestellte Immunstatus stellt fest, ob du bei Infektionsrisiken arbeiten darfst oder ob ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden muss.
  • Wichtig ist immer die Prüfung, ob das Arbeitsumfeld so umgestaltet und umorganisiert werden kann, dass auf andere Art und Weise aber ohne Risiko weitergearbeitet werden kann.
  • Hilft das nicht und kommt auch ein Arbeitsplatzwechsel nicht in Frage, muss das Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden.
  • Je nach Krankheit unterschiedliche Ausprägungen und Fristen, die der Dienstherr und du für das Leben und die Gesundheit von dir und dem Kind dringend beachten müsst.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

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